Heike Koschyk Aus dem Arbeitsalltag einer Autorin

A chinese lion statue

Ihr interessiert Euch für den Arbeitsalltag einer Autorin? Herzlich willkommen!

Auf diesem Blog berichte ich über Hintergründe meiner Arbeit, Spannendes aus der Recherche, lesenswerte Bücher und Wissenswertes aus dem Literaturbetrieb. Er ist für Leser, Autoren oder solche, die es werden wollen und natürlich für all diejenigen, die einfach mal hinter die Kulissen sehen möchten. Ich wünsche Euch viel Spaß dabei!

Nähere Informationen zu meinen Veröffentlichungen findet Ihr auf heike-koschyk.de

Bin ich von gestern?

Heike Koschyk 3. September 2010

Als ich auf dem Weg von Italien bei der Familie meines Mannes pausierte, beseelt von einer äußerst interessanten Buchbegegnung in einem italienischem Antiquariat, wurde mir wieder einmal bewusst, wie flüchtig vergangene Werte und Geschichten manchmal sind.
An jenem Wochenende fand im Dorf einer der größten Märkte Bayerns statt und neben Kittelschürzen und Bürsten, Bier und gerösteten Mandeln, gab es auch einen etwas abseits gelegenen Stand mit alten Büchern.
Während ich mich in Kochbücher und Naturbeschreibungen aus vergangenen Jahrhunderten vertiefte, näherte sich ein Paar und zeigte ein auffallendes Interesse an den ausliegenden Gebetbüchern.
„Wie viel mag man für so ein Buch wohl bekommen?“, fragte der Mann den Verkäufer und erzählte von einem ererbten Gebetbuch aus dem 18. Jahrhundert, das einst seiner Urgroßmutter gehörte.
Der Verkäufer sagte, es käme auf den Zustand des Buches an und schätze es auf höchstens 100 Euro.
Der Mann verzog den Mund. „Na, dann ist es ja nicht viel wert.“
Nicht viel wert? Für eine Frau vor über 200 Jahren lagen in diesen Seiten Kummer, Freude, Trauer, eine ganze Lebensgeschichte. Kann man den Wert eines Buches, eines Familienerbstückes, nur in Euro bemessen?
Es geht noch schlimmer. Als ich acht Jahre alt war, verstarb mein Großonkel. Zu Lebzeiten aktiver Freimaurer, besaß er eine große Bibliothek. Einen ganzen Raum gefüllt mit Büchern, die man heute vorschnell als esoterisch bezeichnen würde. Er war kaum unter der Erde, da bestellte der Sohn einen Container, in den er alle Bücher hineinwarf und zur Müllhalde fahren ließ, um die Wohnung so schnell als möglich zu räumen. Es waren hunderte Bücher. Sorgsam ausgewählt. Gelesen, verinnerlicht und nun weggeworfen. Eine ganze Lebensphilosophie …
Im letzten Jahr fand ich ein Buch auf dem Altpapiercontainer, offenbar das einer soeben verstorbenen Frau. Ein Buch aus den Zeiten des Krieges, mit Widmung. Ich habe es mitgenommen und auch ein wenig darin gelesen. Ich mag alte Bücher, die Sprache, die mehr über eine Mentalität einer ganzen Generation verrät, als jedes Geschichtsbuch. Ich mag den Geruch alter Bücher, habe Ehrfurcht, wenn ich in ihnen blättere. Ja, auch ich werde mir bald ein eBook zulegen, denn es wird mir die Recherche auf Stichpunkt erleichtern. Nein, ich bin nicht von gestern. Aber ich respektiere und achte Vergangenes.


Auf dem besagten Markt habe ich übrigens zwei Bücher aus dem frühen 18. Jahrhundert erstanden. Eines davon ist aus der Klosterbibliothek eines inzwischen aufgelösten Klosters. Für mich ein Schatz!

@Ramona: Um noch einmal auf Deine Frage zurückzukommen, ob ich in Italien auch Recherchen betrieben hätte? Ja, aber eher zufällig. Vor Jahren hatte mich ein ganz bestimmtes Gebäude interessiert, über das ich schon immer einen historischen Roman schreiben wollte. In dem wundervollen Antiquariat in Riva, das Bücher bis ins tiefe Mittelalter besitzt, fand ich zwei Reisebeschreibungen aus dem 19. Jahrhundert mit ausführlicher Erwähnung eben dieses Gebäudes und der gesamten Umgebung. Also: Das nächste Romanprojekt steht :-)

Weiter im Text!

Heike Koschyk 19. August 2010

Sechs Wochen Sommerferien. Eine schöne Zeit, keine Frage, ich habe sie sehr genossen. Aber sechs Wochen sind ganz schön lang. Da drückte der Abgabetermin, wollten Gedanken aufgeschrieben, Romanhandlungen weitergesponnen, Hintergründe recherchiert werden.
Und so pendelte ich zwischen Ostsee, Hamburg und Italien; zwischen Meer, Terrasse und Kaffeebar. Genoss die intensive Zeit mit der Familie ebenso wie die Schreibzeit des Nachts, wenn die Kinder schliefen.
Ich habe gekniffelt, Beachball gespielt und bin durch Pfützen gestapft. Habe in den Pausen einen gut sortierten Rechercheordner durchgearbeitet und Ideen in den Reiselaptop getippt.

Jetzt sitze ich wieder am Arbeitsplatz, genieße die Stille, den Kaffee. Nichts, was den Schreibfluss hemmt. Weiter im Text. Im Real Life, auf Facebook oder Twitter: Ich bin wieder da!

Ein Arbeitsplatz irgendwo in Hamburg …

Heike Koschyk 1. Juli 2010

Heute traf mich ein Stöckchen, geworfen von meinem lieben Autorenkollegen Richard K. Breuer aus Wien. Er wolle sehen, wie der Arbeitsplatz einer norddeutschen Autorin so aussieht. „Einen Blog hat sie auch“, hat er geschrieben, „Und einen Schreibtisch sowieso.“ Aber da muss ich ihn wohl ein wenig enttäuschen. Denn mit einem Schreibtisch an sich kann ich leider nicht dienen. Noch nicht.

Nein, einen richtigen Arbeitsplatz kann man das wirklich nicht nennen, eher eine Lesecke mit Sessel und Beistelltischchen.
Nachdem ich aus dem Kellerbüro, in dem ich ohnehin nur archivierte (sprich: auf engstem Raum hortete – die Bilder davon erspare ich Euch), einen Stock höher ins helle Wohnzimmer gezogen bin, suche ich nach einem passenden Schreibtisch nebst Stuhl. Ehrlich gesagt tue ich das inzwischen bereits seit mehr als zwei Jahren und wenn ich auf meinen geschundenen Rücken höre, sollte ich die Suche langsam erfolgreich beenden.
Doch vielleicht will ich es auch gar nicht ändern. Es ist äußerst gemütlich, inspirierend. Hinter mir ein Regal mit Büchern, die ich gerne lese und andere, in denen ich zur Zeit recherchiere. Die Aktenordner mit den Kopien aus diversen Quellen und Schriften stehen im untersten Fach. Ach, was brauche ich Stifte oder Tacker. Nur der Laptop, der Schreibwahn und ich …

Zugegeben, etwas an diesem Bild ist gefaked: Die Kaffeetasse. Ich bin nicht nur bekennend kaffeesüchtig sondern während des Schreibprozesses geistig manchmal ein wenig abwesend, sprich schusselig. Daher steht die Kaffeetasse immer auf der Fensterbank. In Reichweite, doch außer Gefahr für Laptop und Bücher. Ach ja, ein iPhone habe ich natürlich auch. Aber das passte wegen der Kaffeetasse nicht mehr auf den Tisch ;-)

So, lieber Richard, das war’s aus meinem „Arbeitszimmer“. Ich belasse das Stöckchen gleich mal in Norddeutschland und werfe weiter zu unserem Kollegen Carsten Tergast, der auf seinem neuen Blog zwar ein Bild vom Arbeitsplatz zeigt, den eigentlichen Schreibtisch aber hübsch verdeckt.

Wer sich ein Bild der vorherigen Schreibtische machen möchte, die sich per Stöckchen offenbarten, kann das unter den folgenden Links tun:

JustAboutLife
MacTomster
Guennersen
AdMartinator
Janette Müller
Rosenblut
Andi Licious
Macreloaded
Roman Keller
Keyblog
Apfel.cc
Michael Heugl
brainstorming
Foxy’s Blog
Richard K. Breuer

Nachtrag am 3. Juli:
Da mein geschätzter Kollege das Stöckchen erst mit einiger Verzögerung fangen kann, werfe ich ein zweites Stöckchen zu Wortmeer, deren Blog sowohl aus poetischer als auch aus fotografischer Sicht eine echte Perle ist!

Von Kritik und Manipulation

Heike Koschyk 30. Juni 2010

Ich bin ein großer Fan von Autorennetzwerken und habe im wahren Leben einige sehr nette KollegInnen kennen gelernt. Doch es gibt auch Autoren (und hier schließe ich die weibliche Form mit ein), denen ich lieber nicht über den Weg laufen möchte: Den Bösen, Stutenbissigen, denen jegliches Lob im Halse stecken bleibt und für die das Wörtchen „Mitfreuen“ ein Fremdwort ist.
Dass es eine Autorin gibt, die sich gleich mehrere Konten auf Amazon anlegte, um andere äußerst böse zu denunzieren und sich selbst in den Himmel zu loben, ist ja bereits kalter Kaffee. Seit Kurzem aber scheint es Kollegen zu geben, die sich in Leserunden einloggen, um die Werke der Konkurrenten mit abfälligen Bemerkungen nieder zu machen. Die sich hinter anonymen Avataren verstecken, um die öffentlich Mitlesenden gegen das vorliegende Werk aufzuwiegeln.
Hier geht es nicht mehr um Geschmacksfragen, man kann es ohnehin nicht allen recht machen. Nein, ganz systematisch werden Bücher in der Luft zerrissen, Autoren bloß gestellt, abgerechnet.
Wir kennen es bereits aus der Politik, in der Literatur war mir das neu. Gut, selbst beim renommierten Bachmann-Preis werden Texte von Juroren in Stücke gerissen, aber sollte diese wunderbare Branche tatsächlich auch in Leserforen zum Haifischbecken verkommen? Sind Autoren, die über Monate viel Arbeit, Kraft und Herzblut in ohnehin schlecht bezahlte Texte stecken, künftig Opfer manipulativer Kampagnen frustrierter Kollegen?
Also, liebe Leserunden-Teilnehmer, aufgepasst. Nicht jede harsche Kritik stammt von einem enttäuschten Leser. Und scheut Euch nicht, Eure eigene Meinung zu vertreten, auch wenn sie konträr sein mag. Gegen echte Kritik ist nichts einzuwenden, wohl aber gegen unfaire Stimmungsmacherei …

Die Lesekonditorei

Heike Koschyk 26. Mai 2010

Während der Recherchen zu meinem aktuellen Projekt stieß ich auf eine Einrichtung, die Anfang des 19. Jahrhunderts auch in Deutschland Einzug hielt: Die „Lesekonditorei“.
Sammelplatz des geistigen Lebens und von bestimmendem Einfluss auf die öffentliche Meinung. Ort der Literaten und Gelehrten; hier konnte man in den ausliegenden Tagesblättern und kritischen Journalen lesen und deren Inhalte diskutieren. Das Backwerk oder der Kaffee, ausgeschenkt aus silbernen Kannen, verkamen zur Nebensächlichkeit.
Die bekanntesten Lesekonditoreien waren das Café Kranzler oder Spargnapani in Berlin.
Man musste früh kommen, gleich am Morgen, wollte man nicht statt der sehnlich erwarteten neuen Ausgabe eine der zerlesenen des Vortages finden. „Denn die Concurrenz war groß und die List, mit der Einer dem Anderen den Vorsprung abzugewinnen suchte, noch größer. Das kleine Regal, welches alle diese Schätze barg, war stets belagert, und man betrachtete Jeden, der davor stand, als seinen persönlichen Feind.“ (Quelle: Rodenberg, Julius: Unter den Linden. Bilder aus dem Berliner Leben, Berlin 1888)
Hatte man eines der begehrten Exemplare ergattert, so machte man es sich über Stunden bequem, las alles bis zur letzten Seite, während man Kaffee mit Milch aus großen Tassen („anzusehen wie die Bowlen oder die Kübel“) trank. Später wurde das Gelesene zuweilen hitzig erörtert und in Gesprächsrunden so manche Revolution geplant.

Als ich vor wenigen Wochen über die Lesekonditorei twitterte, gab es eine erfreute Resonanz. Ja, so etwas sei ganz wunderbar, so der Tenor, da könne man sich endlich in Ruhe zurücklehnen und bei einer Tasse guten Kaffees ohne die Ablenkungen des Alltags lesen. Besser noch: Eine Buchhandlung müsse es sein, mit angrenzendem Cafe, das wäre ein Traum.
Ein Traum, der in Hamburg längst Realität wurde. Im Stadtteil Hoheluft liegt die Buchhandlung stories! Ein liebevoll gestaltetes Geschäft mit Schmökertisch und Café-Bar, das wegen seiner loungigen Atmosphäre vom Frauenmagazin „Madame“ zu einer der besten Buchhandlungen Deutschlands gekürt wurde. Dort kann man in aller Ruhe in den Büchern stöbern, zwischen verschiedenen Kaffeeköstlichkeiten wählen und mit den BuchhändlerInnen oder anderen Gästen den neuesten Klatsch aus der Literaturszene austauschen. Wer den Kaffee später an geeigneter Stelle wieder entlassen möchte, wird überrascht feststellen, dass selbst auf dem stillen Örtchen eine umfangreiche Auswahl literarischer Impressionen bereit liegt.
Politische Ränke hingegen schmiedet man heutzutage ohnehin öffentlich, für alles andere gibt es gute Freunde oder Twitter ☺

Gegen das Vergessen

Heike Koschyk 5. Mai 2010

Erinnert Ihr Euch noch daran, wie die Stadt Bingen unter der Belagerung der Schweden zu leiden hatte? Ja?

Ich nicht. Woher auch. 1632 war weit vor meiner Zeit, Informationen gab es bestenfalls in den Geschichtsbüchern der Schule.

Damit wir die Geschichte unserer Vorväter nicht vergessen, gibt es Archive, in denen riesige Schätze lagern. Urkunden, Bücher, Briefe und Karten vom frühen Mittelalter bis in die Neuzeit. Zeugen der Vergangenheit, derer sich auch Wissenschaftler und Forscher bedienen, um Geschichte begreifbar zu machen.

Archive sind wunderbare Quellen. Autoren historischer Romane benötigen authentische Texte, wenn sie dem Leser nicht nur eine gute Geschichte, sondern auch einen anschaulichen Hintergrund vermitteln wollen.

Meine bevorzugte Quelle ist die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, die eines der umfangreichsten Archive Deutschlands besitzt. Für „Pergamentum“ habe ich annähernd 200 Bücher ausgeliehen. Abgesehen von den alten und kostbaren Dokumenten, die man nur an einem speziellen Arbeitsplatz sichten darf.

Um so furchtbarer war die Nachricht vom Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3. März des vergangenen Jahres. Historische Schätze unermesslichen Wertes wurden in die Tiefe gerissen, viele Dokumente sind für immer verloren. Archivare und Restauratoren werden noch über Jahre damit beschäftigt sein, geborgene Teilstücke zuzuordnen und wieder zusammenzufügen.

Ein Jahr nach dem Unglück rief der Autorenkreis Quo Vadis zu einer Sternenlesung auf. In ganz Deutschland lasen Autoren historischer Romane für den guten Zweck: Alle Einnahmen gehen als Spende an das Kölner Stadtarchiv zur Rettung der Archivalien. Die letzte Lesung fand am 29. April in Hamburg statt. Gemeinsam mit acht Kolleginnen und Kollegen las ich im Stavenhagenhaus, einem ehrwürdigen Gebäude aus dem Jahre 1703 im Stadtteil Groß Borstel. (Einen Zusammenschnitt findet Ihr im Video am Ende des Artikels.)

Es ist vielleicht nur ein kleiner Beitrag, den ich hier leisten konnte. Die Kosten der Restaurierung wird auf 500 Millionen Euro geschätzt, weit mehr als Lesungen sämtlicher historischer Autoren der Welt je zusammentragen könnten. Aber es gibt mir ein gutes Gefühl, aktive Anteilnahme und Hilfsbereitschaft gezeigt zu haben, wenn ich in Zukunft wieder Bücher mit dem Rollkoffer aus der Hamburger Staats- und Universitätsibliothek schleppe, um meinen Lesern die Medizingeschichte des 18./19. Jahrhunderts nahe zu bringen …

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Social Media – ein „Must have“ für Schrifststeller?

Heike Koschyk 23. April 2010

Du musst bei Facebook sein, heißt es. Auf Twitter und bei Xing. Nutze die Ressourcen des Social Web zur Markenbildung. Vernetze Dich, damit man Dich kennt und irgendwann kennt man auch Deine Bücher.

Dass das nicht so ganz stimmt, kann ich täglich auf Amazon sehen. „Pergamentum“, dessen Manuskript namenhafte Verlage in einen Bieterwettbewerb trieb, hat bislang die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllt. Hervorragend bewertet, aber doch quasi unbekannt, will man den Zahlen glauben. Meine Biografie über Hildegard von Bingen hingegen erklimmt seit Monaten die höchsten Plätze. Ist auf Amazon einer der Bestseller im Bereich Biografie. Ohne große Social Media-Befeuerung. Der Schluss, den ich daraus ziehen könnte, wäre: Wozu das alles?

Wenn man als Schriftsteller mit Social Media beginnt, sollte man sich vorab fragen, ob man es nur unter Werbegesichtspunkten tun möchte. Wenn ja, sollte man lieber die Finger davon lassen. Wer sich darauf einlässt, verbringt mehr Zeit im Internet, als sich je in barer Münze auszahlen wird.

Nüchtern betrachtet: Auch dann, wenn das Werk in Foren und Leserunden mit Begeisterung besprochen wird, ergeben die investierten Stunden gemessen an zusätzlichen Bucheinnahmen einen Lohn weit unterhalb des 1-Euro-Jobs. Zuviel Eigenwerbung wirkt unangenehm und stößt nur auf wenig Gegenliebe. Und, ganz ehrlich, welcher große Bestseller-Autor wurde erst durch Twitter bekannt?

Ob sich ein Buch verkauft, entscheiden ganz andere Faktoren. Vorausgesetzt, es ist gut und spannend geschrieben, sind es neben dem ersten Eindruck (Cover, Titel, Klappentext) und dem Werbebudget des Verlages (Buchpräsentationen in vorderster Front kosten ein Vermögen und ist Bestsellern vorbehalten) vor allem die Listung in großen Buchhandelsketten und die Besprechung im Feuilleton. Du bist nicht bei Thalia? Vergiss es. Wer nicht ausliegt, kann nicht gelesen werden und wird daraufhin auch nicht weiterempfohlen. Das ist schade, denn ich bin ein Freund unabhängiger Buchhandlungen, aber selbst diese setzen immer mehr auf namenhafte Autoren, um ihre Existenz zu sichern. Da mag man das Social Web als neuste Errungenschaft hochhalten, auch die User von Twitter, Facebook und Co. reagieren auf Empfehlungen aus dem Real Life.

Was also bringt mir Social Media?

Viele Autoren hören genau an dem Punkt auf, an dem es spannend wird. Wenn man diese Plattform ernst nimmt, bilden sich Netzwerke, die vor allem eines liefern: Aktuelle Informationen. Social Media ist eine wertvolle Quelle. Man taucht direkt in die Buchbranche ein, versteht die Wünsche der Leser und erahnt kommende Trends.

Ein wunderbares Tool sind all die Buchplattformen von Rezensenten und Bloggern. Sie geben direkte Rückmeldungen auf die eigenen Werke. Kommentare, die man in seiner weiteren Arbeit umsetzen kann. Worüber wird gesprochen? Was bewegt die Gemüter? Emotionen sind nichts, was man hier mit Macht beeinflussen kann, ebenso wenig wie das Kaufverhalten. Das ist eine Tatsache. Man kann sich dagegen stemmen oder sich den Stream zunutze machen, ohne sich dabei zu verbiegen. Gerne auch bewusst gegen den Strom schwimmen, dann aber bitte ohne nachträgliche Reue. Manchmal hat selbst das Potential zu einem Hype.

Konkret bedeutet das: Habe Spaß am Twittern und Posten, freue Dich über die vielen netten Kontakte, die virtuellen Begegnungen. Bleibe authentisch. Höre zu und setze um. Denn dann, aber auch nur dann, erzielt man einen Gewinn. Und der ist vor allem sozialer Natur.

Ihr seid anderer Meinung? Ich lasse mich gerne belehren. Von „Pergamentum“ erscheint ja noch eine Taschenbuchausgabe … ;-)