Abenteuer Herausgeberschaft: Projekt Gemeinschaftsroman
Heike Koschyk 5. Mai 2011
Mit Schrecken stelle ich fest, wie lange ich nicht mehr aus meinem Autorenalltag erzählt habe. Aber der aufmerksame Leser weiß, dass ich Ende März Abgabetermin meines neuen Romans „Die Alchemie der Nacht“ hatte, der am 7. Oktober bei Rütten & Loening erscheint.
Inzwischen ist die Arbeit nicht weniger geworden. Meine Aufgabe als Marketingleiterin beim Autorenkreis Quo Vadis hat viel Zeit in Anspruch genommen, ebenso ein wundervolles Projekt, das mich bereits seit Monaten beschäftigt und nun endgültig Gestalt annimmt:
Der neue Gemeinschaftsroman des Autorenkreises Quo Vadis, der im Herbst 2012 im Aufbau Verlag erscheint.
Er basiert auf einem Dokument, das beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs verschüttet worden war und für dessen Restaurierung Mitglieder des Autorenkreises im April 2010 in deutschlandweiten Benefizlesungen gesammelt haben. Diese Urkunde ist Teil eines Gerichtsverfahrens, das im 16. Jahrhundert ganz Köln in Atem hielt und seine Kreise bis in die europäischen Königshäuser zog.
Zwölf Autorinnen und Autoren arbeiten an einer Geschichte. Das bedeutet zwölf Schreibstile, zwölf Ideen, zwölf Sichtweisen …
Damit die unterschiedlichen Herangehensweisen für den Leser Sinn ergeben, haben sich mein Mitherausgeber Alf Leue und ich etwas ganz Besonderes erdacht: Der Gemeinschaftsroman ist ein Perspektivenroman!
Bis auf die AutorInnen, die Prolog und Epilog schreiben, erhalten alle eine ganz eigene Figur, die sie mit Leben füllen: mit Aussehen, Charakter, Motivationen und Vergangenem. In den jeweiligen Kapiteln werden sie aus deren Sicht das Gerichtsverfahren verfolgen und immer wieder Zweifel an den tatsächlichen Motiven der Angeklagten wecken.
Nachdem Alf und ich über Monate ein beinahe 100-seitiges Projektexposé mit Einteilung der Figuren, historischen Hintergründen, Plotbeschreibung und Storyboard erstellt haben, sind nun auch die Figurenausarbeitungen der einzelnen AutorInnen bei uns angelangt und mitsamt den hinzugekommenen Nebensträngen in eine Figurenkartei eingebaut.
Es ist wirklich großartig, welche Gedanken sich jeder Einzelne gemacht hat! Aus dem Gerüst der Herausgeber ist eine wunderbare, komplexe Handlung entstanden, die nun bis zum März 2012 niedergeschrieben wird.
Den Anfang macht Ulf Schiewe, in dessen ersten beiden Kapiteln ein Anwalt zu Wort kommt, der die Angeklagte verteidigen soll. Doch hält er diese wirklich für unschuldig?
Und hier alle AutorInnen, die in diesem Projekt mitwirken (in alphabetischer Reihenfolge):
Martina André
Caren Benedikt
Katrin Burseg
Lena Falkenhagen
Tanja Kinkel
Marlene Klaus
Heike Koschyk (Hrsg.)
Alf Leue (Hrsg.)
Titus Müller
Oliver Pötzsch
Peter Prange
Ulf Schiewe
Das Nachwort schreibt die Organisatorin der Benefizlesungen Tanja Schurkus.
Was für ein Team! Ich freue mich auf die kommenden Monate und auf jedes einzelne Kapitel dieser wunderbaren KollegInnen. ☺