Die Buchpremiere
Heike Koschyk 25. Januar 2012
Am Silvesterabend habe ich mir geschworen, mich nicht mehr in meiner Arbeit zu verzetteln. Der regelmäßige Leser dieses Blogs kennt diverse Aufzählungen meiner Aufgaben und es kamen stetig neue hinzu.
In diesem Jahr allerdings soll das alles anders werden, so habe ich mit Blick auf den bunten Silvesterhimmel geschworen. Ich lerne, „Nein“ zu sagen, auszumisten und vor allem die Dinge zu tun, die auf meiner Liste ganz oben stehen. Zum Beispiel endlich über die Buchpremiere von “Die Alchemie der Nacht” berichten, die bereits im Oktober stattfand:
Die Veranstaltung sollte genau auf das Buch zugeschnitten sein und wo kann man einen Medizinkrimi zwischen Aberglaube und Wissenschaft besser inszenieren, als in den Gewölben des historischen Eiskellers Hamburg? Tage vorher schleppten wir Tische und Stühle über zwei Treppen in die Tiefe, dekorierten Kerzen, Spinnweben, Efeu und rote Samtvorhänge, stellten einen Totenkopf auf das Lesungspult. Die Musiker übten alte Studentenlieder ein, Zigeunerweisen oder einen Choral. Das bestellte Buffet trug den Namen „alchemistisch“ und sollte den Beweis antreten, dass man auch mit ungewöhnlich gewürztem Essen verzaubern kann. Ich feilte mit Sprechtrainerin Annalena Schmidt an meinem Ausdruck und kaufte ein nachtblaues Kleid, über dessen Aussehen via Facebook und Twitter abgestimmt wurde.
Und dann war es soweit …

Eine Lesung vor hundertzwanzig Gästen inklusive Live-Übertragung via LovelyBooks? Man kann sich vorstellen, dass ich nervös war. Wie nervös, das sah man gleich zu Beginn, als ich die Zuhörer mit ausgeschaltetem Mikrofon begrüßte und es dann, als es endlich Ton hatte, sogleich wieder vom Ständer fallen ließ. Aber je länger ich las und aus dem 18. Jahrhundert erzählte, desto stärker übertrug sich die positive Stimmung der Gäste. Die Vergangenheit wurde plötzlich greifbar! Musik und Text ließen Bilder entstehen, im Saal herrschte aufmerksame Stille. Schließlich stellte Karla Paul die Fragen der LovelyBooks-Leser und sie zu beantworten, hat einen unglaublichen Spaß gemacht!
Hatte ich doch tatsächlich kurz vor der Premierenlesung gesagt, das mache ich bestimmt nie wieder? Ich korrigiere mich. Die nächste Buchpremiere kommt bestimmt. Dazu allerdings muss das nächste Buch geschrieben sein. Ein weiterer wichtiger Punkt auf meiner Liste …
Mehr Bilder des Abends gibt es auf meiner Facebook-Seite.
Das Video zur Buchpremiere:
Wo früher enge Gassen der Altstadt lagen, waren ganze Straßenzüge verschwunden und hatten einem glänzenden Turmbau Platz gemacht, davor ein riesiger Parkplatz.
Kopfsteinpflaster wurde zu Asphalt, der Anatomieturm ein Stumpf, mit Graffiti besprüht; das ehemalige Universitätsgebäude verbaut. Auf dem Weg zur Saalbrücke passierte ich Waxstudio und Tatooshop. Meine Heldin lief plötzlich die Gassen entlang, mit einem Coffee to go-Becher in der Hand, an Nordseefisch vorbei zu ihrer Wohnung
Nein, mein Jena habe ich nicht wiedergefunden. Dafür eine moderne Studentenstadt mit zeitgemäßem Charme. Der neu gestaltete Marktplatz ist wirklich sehenswert. Und welcher Student darf schon in einem Schloss lernen, in dem sogar Goethe residierte?
Schließlich gab es am Ende ein paar Ecken, für die sich die Reise dann doch gelohnt hat: Das große Haus mit Kiesplatz, in dem einst Hufeland gewohnt hatte. Der alte Friedhof, über den er in meinem Roman gerannt war, um seinen Freund vor dem Tod zu retten, die alte Kirche mit den Efeuranken. Auf dem Weg durch die umliegenden Wälder bis hin zum Fuchsturm, vor dem sich früher Studenten duellierten, staunte ich über die Schönheit der Landschaft, die bereits in jenen alten Briefen beschrieben worden war, die während des Schreibens auf meinem Tisch lagen.