Von Kritik und Manipulation
Heike Koschyk 30. Juni 2010
Ich bin ein großer Fan von Autorennetzwerken und habe im wahren Leben einige sehr nette KollegInnen kennen gelernt. Doch es gibt auch Autoren (und hier schließe ich die weibliche Form mit ein), denen ich lieber nicht über den Weg laufen möchte: Den Bösen, Stutenbissigen, denen jegliches Lob im Halse stecken bleibt und für die das Wörtchen „Mitfreuen“ ein Fremdwort ist.
Dass es eine Autorin gibt, die sich gleich mehrere Konten auf Amazon anlegte, um andere äußerst böse zu denunzieren und sich selbst in den Himmel zu loben, ist ja bereits kalter Kaffee. Seit Kurzem aber scheint es Kollegen zu geben, die sich in Leserunden einloggen, um die Werke der Konkurrenten mit abfälligen Bemerkungen nieder zu machen. Die sich hinter anonymen Avataren verstecken, um die öffentlich Mitlesenden gegen das vorliegende Werk aufzuwiegeln.
Hier geht es nicht mehr um Geschmacksfragen, man kann es ohnehin nicht allen recht machen. Nein, ganz systematisch werden Bücher in der Luft zerrissen, Autoren bloß gestellt, abgerechnet.
Wir kennen es bereits aus der Politik, in der Literatur war mir das neu. Gut, selbst beim renommierten Bachmann-Preis werden Texte von Juroren in Stücke gerissen, aber sollte diese wunderbare Branche tatsächlich auch in Leserforen zum Haifischbecken verkommen? Sind Autoren, die über Monate viel Arbeit, Kraft und Herzblut in ohnehin schlecht bezahlte Texte stecken, künftig Opfer manipulativer Kampagnen frustrierter Kollegen?
Also, liebe Leserunden-Teilnehmer, aufgepasst. Nicht jede harsche Kritik stammt von einem enttäuschten Leser. Und scheut Euch nicht, Eure eigene Meinung zu vertreten, auch wenn sie konträr sein mag. Gegen echte Kritik ist nichts einzuwenden, wohl aber gegen unfaire Stimmungsmacherei …